Und so saßen wir also letzten Herbst und dachten nach, was wir denn für die ganze Meute zu essen machen sollten. Eine kurze, repräsentative (einer von zwei Brüdern) Umfrage hatte ergeben, dass man mit Fleisch nicht viel falsch machen kann. Nun gut - das kommt uns entgegen. Für viele Esser kommt am ehesten ein Braten in Frage, nicht wahr und - sag' einmal, Schatz, hattest Du da nicht einmal ... Du weißt schon, der Braten aus dem einen Kochbuch, der war so gut ... ja genau der, den machen wir! Das Buch heißt "Die Oper kocht" und die paar Rezepte, die wir schon ausprobiert haben waren wirklich gut, so auch das für Sauerbraten. Also auf zum Einkauf! Mit etwas Suchen hatten wir sogar schönes Rindfleisch gefunden und dann, ja dann fing es an seltsam zu werden. Was gibt sie denn da ins Einkaufswagerl? Buttermilch? Wofür braucht sie denn Buttermilch? "Bist Du sicher, Schatz? - Ja? - Das war das letzte mal auch so? - Was soll das heißen, ich habe nicht aufgepasst? Ich passe immer auf." Zum Glück braucht es nicht koscher zu sein. Zu hause das Buch aufgeschlagen und - tatsächlich - so steht es schwarz auf weiß im Rezept, so wird es gemacht. Eine kurze Recherche bei Tantchen und der allwissenden Müllhalde bestätigte mir, dass meine Zweifel nicht unberechtigt waren. Die meisten Rezepte für Sauerbraten kommen dann doch ohne Milch aus. Egal, dieser war eben mit, aber seitdem hatte mich die Idee nicht losgelassen doch einmal einen "richtigen" Sauerbraten zu machen.
Und dann war da noch die Sache mit dem Rindfleisch. Nein, nicht der (ausgezeichnete) Braten, den meine Brüder, Schwägerinnen, Nichten und Neffen mit uns, ohne den geringsten Rest zu lassen, aufgegessen hatten. Nein, es war gegen Ende des Jahres, als meine Lieblingsehefrau mir verkündete, sie habe sechs Kilogramm Rindfleisch erworben. Ein Teil davon seien Knochen und der Rest aufgeteilt in Gulasch-, Braten- und Kochfleisch sowie Faschiertes. Was sollen wir bitte mit sechs Kilo Rindfleisch? Essen, ja, guter Witz. Einfrieren klingt schon besser, aber es bleibt die Frage nach dem: Warum? Nun die Sache ist die folgende: Wir kennen einen Schafbauern (Bioschafhof Sonnleitner, siehe Seitenleiste) von dem wir schon in der Vergangenheit immer wieder gute Lammkeulen und Würste bezogen hatten. Der Sohn des Bauern hat nun offenbar beschlossen, dass er nicht nur Schafe sondern auch Rinder züchten und vermarkten will und das bezogene Fleisch ist von einem seiner ersten Rinder und er hätte gerne die Meinung von Konsumenten dazu. Das ergab dann schon mehr Sinn. Gulasch gab es Anfang des Jahres, war gut, das Faschierte war letzte Woche in der venizianischen Pfanne, ebenfalls gutes Fleisch, nicht zu hell, nicht zu mager, also spricht nichts dagegen das Bratenstück (tatsächlich nur mit "Braten" beschriftet, ich werde bei Gelegenheit einmal Nachfragen was es genau war) aufzutauen und sich an den Sauerbraten zu wagen.
Rezepte für Sauerbraten gibt es viele, manche sogar mit Buttermilch. Für den ersten Versuch wollte ich nicht zu waghalsig sein und habe mir eines aus dem Internet gesucht, dass recht nahe am Durchschnitt der meisten lag.
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| Einmarinierter Braten |
Nach einigen Tagen (am Tag der Zubereitung) wird das Fleisch herausgenommen und unter Einsatz von viel Küchenrolle gut abgetrocknet. Wenn man das nicht macht, dann hat man keine Chance beim Anbraten eine braune Farbe zu erreichen.
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| Der fertig marinierte und abgetrocknete Braten. |
Ich bin ein großer Freund vom im-Ofen-anbraten. Ich schmelze also nur eine schöne Portion Butterschmalz im Bräter, wälze den rohen Braten einmal darin, damit er rundherum eingefettet ist und schiebe ihn dann bei voller Hitze in den Ofen. Nach etwas zehn Minuten ist er dann schön angebräunt, aber nur, wenn der Ofen auch wirklich richtig heiß wird.
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| Im Ofen angebräunter Braten ... |
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| ... gewendet und mit Zwiebel. |
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| Rotkraut wird mit Zucker, Salz Zimt und Orangensaft mariniert. |
Ab-initio Erdäpfelknödel habe ich noch nie gemacht. Auch hier variieren die leicht auffindbaren Rezepte so stark, dass eine Entscheidung schwer fällt. Gemeinsames Element fast aller Rezepte, abgesehen von den halb-und-halb Varianten aus Bayern und dem Waldviertel, sind natürlich Erdäpfel (mehlig) sowie Eidotter, Mehl (griffig), Gries, Butter und Salz. Die Mengen sind aber ganz unterschiedlich. Ich habe mich für eine Variante mit verhältnismäßig wenig Mehl und etwas Gries entschieden.
Die Erdäpfel (ein halbes Kilo) werden in Salzwasser gekocht, geschält und noch warm passiert, bzw durch eine Erdäpfelpresse gedrückt. Ein großzügiger Esslöffel geschmolzene Butter, ein Eidotter, zwei Esslöffel Gries, sechs Esslöffel Mehl, eine große Priese Salz und, nach Geschmack, Muskat werden eingemengt und die Masse zugedeckt stehen gelassen.
Irgendwann einmal zwischendurch sollte man den Braten gewendet haben, idealerweise etwa jede halbe Stunde. Beim zweiten Wenden, also, wenn man die Anbratzeit dazurechnet, nach fast einenhalb Stunden, stelle ich fest, dass die "gut zwei Stunden" im Rezept wohl nicht ganz stimmen können. Der Braten ist durch und will jetzt sofort aus dem Ofen genommen werden. Er wird gut abgedeckt zur Seite gelegt und drei Scheiben geürfeltes Toastbrot in den Saft gemischt damit sie sich darin auflösen. Im Rezept steht etwas von Honigbrot, aber das kam mir dann doch zu süßlich für meinen Geschmack vor. Auch die Rosinen habe ich weggelassen, egal wie traditionell sie sein mögen.
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| Der erste Schnitt durch den fertigen Braten. |
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| Es ist angerichtet! |







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